Montag, 22. September 2014

Ein paar Gedanken zur Open Street Map

Zwar nutzen erstaunlich viele Webseiten und Privatleute Karten auf OSM Basis um ihre GPS-Tracks oder Routenskizzen zu präsentieren, aber es sind nur ganz wenige Personen, die an der Verbesserung der Open Street Map (OSM) mitarbeiten. Dabei ist die OSM eine Anwendung, die auf die Mitwirkung der Benutzer angewiesen ist. Natürlich ist die OSM qualitativ nicht vergleichbar mit der Topographie des Landesvermessungsamtes oder der Kompasskarten, aber Sie ist eine nützliche Ergänzung.
Geich zu Anfang dann auch der  Hinweis: Bitte nie OSM als alleiniges Hilfsmittel zur Tourenplanung und -Durchführung benutzen, die Steige sind nicht auf den Meter genau eingezeichnet und z.T. sind auch gravierende Abweichungen bzw. Fehler dabei, die Gründe dafür erläuter ich später noch.

Der entscheidende Auslöser, selbst bei der OSM mitzuwirken war bei mir, dass in letzter Zeit vermehrt Steige aus der amtlichen Karte (=Basis AV-Karten) getilgt wurden, die durchaus noch vorhanden sind, und sich hier die Möglichkeit bietet, quasi als Korrektiv zu wirken. Ich möchte den "Löschern" gar nicht groß böse Absichten unterstellen, wenn der Weganfang nicht klar ersichtlich ist, wird wohl einfach gelöscht. Allerdings: Wenn der Steig auf dem Satellitenbild jedoch noch erkennbar ist, hab ich dafür kein Verständnis mehr... Ein weiterer Grund: Dadurch, das es ja untersagt ist  Ausschnitte von amtlichen Karten zu verändern (nur eine Verlinkung von drübergelegten GPS Dateien ist erlaubt), ist, wer eine Route z.B. per Hand einzeichnen und veröffentlichen oder (auch unendgeltlich) weitergeben will, zwangsläufig auf die OSM Karten angewiesen, falls er auf der rechtlich sicheren Seite stehen will. Die letzten Jahre war ich allerdings der irrigen Meinung, das man, um bei OSM mitzumachen, ein GPS Gerät bzw. Smartphone mit GPS Empfang benötigt - Dem ist jedoch nicht so, denn die OSM Editoren basieren auf Satellitenkarten.

Wer/ Was gehört alles zur Open Street Map "Familie" ?

Open Street Map ist zunächst einmal eine Datenbank. Die aktuellste Darstellung  ist der "Mapnik" Stil der OSM. Es gibt daneben auch noch eine "deutsche Darstellung" die aber meines Erachtens überflüssig, weil schlechter von der Optik ist. Die "Open Cycle Map" (OCM)  entspricht der OSM, jedoch sind hier weniger Bezeichnungen, dafür aber zusätzlich grobe (!) Höhenlinien eingezeichnet. Weitere mir bekannte, auf OSM basierenden Onlinekarten sind z.B. die Wander und Reitkarte,  die von mir favorisierte Dianacht Topokarte sowie die  Alpenkarte . Jede dieser "Derivate" setzt ihren Fokus woanders, letztere wird nur sehr selten aktualisiert. Theoretisch ist es auch möglich, seine eigene Karte zusammenzubasteln.

 Der leidige Sicherheitsaspekt:

Leider, so scheint mir, bereiten sich immer weniger Leute auf eine Tour vor und marschieren stattdessen, mit einer App für's Smartphone oder GPS Gerät "bewaffnet" drauf los und verschieben die Verantwortung bzgl. Sicherheit alleine auf die Technik. Ob Klettersteigset, "Bergnavi" (GPS), Lawinenairback etc. - technisch sind die modernen Bergsportler meistens top ausgerüstet, aber was bringt einem bsp.weise der teure Lawinenairback, wenn man von der Lawine mitgerissen und gegen die nächste Felswand knallt oder abstürzt? Da wäre frühes Erkennen von Gefahrenzonen im Vorfeld wohl nützlicher. 
Jetzt ist es so dass in der Standard OSM (Mapnik) Darstellung und auch bei der Open Cycle Map alle Wege gleich eingezeichnet sind. Im Extremfall heisst das: Watzmann Ostwand oder Wiederband Kletterroute = Promenadenweg am Seeufer. Da könnte dann theoretisch einer auf die Idee kommen: "Aha da ist ja ein Weg eingezeichnet, steig ich mal in die Ostwand ein" Klingt ziemlich an den Haaren herbeigezogen, aber heutzutage ist prinzipiell alles möglich. Allerdings ist der Mensch wie ich meine nach wie vor selber für sich verantwortlich und es existiert auch ein Haftungsausschluss für die OSM.

Dinge, die man ohne GPS verbessern kann:

Als Hintergrund dienen beim Standardeditor Satellitenfotos oder Luftaufnahmen von Flugzeugen, nicht so gut wie die von Google oder dem Bayernviewer, aber immerhin. Komplizierter aber mehr Möglichkeiten bietend ist das JOSM Programm. Auf jeden Fall kann man mit den Luftbildern im Hintergrund schon einmal:
  • Neue Forststrassen, Bäche, Almen, Jagdhütten, Ruinen sowie deutliche Steige im Latschen- und Wiesenbereich, die durch Latschengassen etc. deutlich ersichtlich sind einzeichnen und beschriften.
  • Wiesen- Fels- Wald- Regionen und dergleichen markieren
  • Gipfel einzeichnen und mit Namen versehen 
Am besten orientiert man sich beim Einzeichnen und Beschriften am OSM-Wiki.
Routen von GPS-Tracks (aufgezeichnet mit Smartphone oder GPS Gerät) einzeichnen: 

Mit dem JOSM Programm kann man die Tracks direkt bearbeiten, beim Standardeditor muss man Sie nachzeichnen ("abpausen" nannten wir das früher in der Schule) , was jetzt aber auch nicht soviel Arbeit ist.

Fehlerquellen: 

a) Als Basis für die OSM dienen Luftbilder. Hier stehen z.B. zur Verfügung: Yahoo bzw. Bing, eine ungenaue Variante des Bayernviewers beim JOSM Programm, sowie Geo Image.at. für Österreich. Die Satellitenbilder unterscheiden sich z.T. um bis zu 30 Meter, je nach Ort. Welche zugrundeliegende Satellitenkarte ist die richtige? Ich kann's nicht beurteilen. Durch diese Fehlerquelle im System kommt schon mal eine gewisse Abweichung zustande - 30 Meter im Latschendickicht sind nicht zu verachten!
b) GPS Tracks können fehlerhaft aufgezeichnet sein, z.B. kommt es bei engen Felsschluchten zu Irritationen, manche Aufzeichnungsprogramme glätten zudem auch die Spuren, anstatt Zick-Zack Kurven ist dann nur eine glatte Linie zu sehen.
c) Es gibt noch genügend andere Fehlerquellen, ich belass' es einmal hierbei
Soll man Alles einzeichnen?

Gute Frage - Nun, das muss wohl jeder für sich entscheiden. Ich denke was in den gängigen Karten drin ist, hat auch in der OSM seinen Platz. Ich zeichne nicht jedes undeutliche Steigerl ein. Nachtrag: Um die angespannte Situation bzgl. Jagdinteressen vs. Freizeitsportler nicht noch zu verschärfen, habe ich davon Abstand genommen, klar erkenntliche Jagd- und Pirschsteige einzuzeichnen, von denen einige in letzter Zeit angelegt wurden. Gerade im Raum Rosenheim zeichnen einige OSM-Kartler aber genau diese Wege ein. Weiterhin ein Ägernis sind mir sog. Fantasiesteige,  oder "weglose Wege" die verstärkt eingezeichnet werden, um mehr Besucher zu locken.
Mein persönliches Motto ist zum Einen: "A bissl wos is besser als garnix", auch wenn der Weg/ die Straße/ der Bach etc. dann unvollständig ist, ein anderer kann ja dann den Rest fertigstellen, hat auch ein paarmal geklappt.
Zum Anderen: "Lieber schwerer, als leichter einordnen" und "Nur das einzeichnen, wo ich auch wirklich Bescheid weis". Desweiteren zeichne ich keine komplett weglosen Sachen ein, das sehen Andere aber Anders, während ich pfadlose Wiesenstücke oft ausgelassen habe, haben sie jetzt andere ergänzt. Ich nenne diese "Wege" Phantasiesteige.
Die Sache mit der Wegeklassifizierung:  
Bei OSM besteht die Möglichkeit, die Wege nach der Skala des SAC beurteilen. Daneben gibt es noch die Möglichkeit, die Wege nach der Erkennbarkeit einzusortieren, dabei wird im Editor davon ausgegangen, das ein klar erkennbarer Weg auch immer markiert ist und umgekehrt - Das ist natürlich Blödsinn... Vllt sollte man die Skala einfach als "sehr gut" 'bis "schlecht" interpretieren und die Markierung außen vor lassen...   Aber jetzt nochmal zu den Schwierigkeitsgraden: Es gibt nicht wenige Leute, für die fängt der T3 Bereich erst an, wenn's gefährlich wird, sprich wenn  Steilgelände oder Kraxelpassagen vorkommt. Seh' ich nicht so... Für mich ist T3 auch schon ein etwas undeutlicher, schmaler Bergpfad...Andere widerum klassifizieren höher als ich, geben für einen mit Drahtseilen versicherten Steig (z.B. Rinnkendlsteig) schon ein T4. Auf der OSM finden sich daneben relativ viele eingezeichnete Routen, die überhaupt nicht klassifiziert sind. Ich bin der Meinung, das die Einteilung zwar ungefähr passen sollte, mache daraus aber keine Doktorarbeit, es handelt sich immerhin nur um eine Karte und keine Tourenbeschreibung...


Das war's fürs Erste. Sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Es braucht übrigens von ein paar Tagen bis zu mehreren Wochen bis die Änderungen sichtbar werden.  Bei Alpenkarte.eu sogar noch länger, bisher ist dort keine von meinen Änderungen ersichtlich.