Sonntag, 18. Oktober 2020

Mit welchen Hilfsmitteln hab ich damals die Touren für's erste und zweite Büchlein gefunden?

 

 

Bücher: Der alte AV-Führer "Bayrische Voralpen Ost" von Zimmermann (im Bild)  lieferte einige Anregungen, dieser war damals seit ein paar Jahren nicht mehr erhältlich, die Routenbeschreibungen sind darin meist rudimentär und kurz gehalten (ein, zwei Sätze) . Im Foto sind noch alte AV-Führer der Berchtesgadener Alpen (1923, tolle Zeichnungen sind da drin), vom Karwendel & Kaisergebirge sowie eine alte Ausgabe der Münchner Hausberge von Pause abgebildet. 


Gespräche: Gespräche mit Freunden, mit Almbauern, Förstern/ Jägern etc. 

Zufälle: Man trifft beim Wandern auf unbekannte Wegabzweigungen die nirgendwo verzeichnet sind.  

 

Karten: Alte amtl. top. Karten vom Flohmarkt (die Graue ist von 1914) , später vereinzelt auch ebay. Auf dem Foto noch eine grüne, zu diesem Zeitpunkt (noch) gültige topographische Karte,  + eine Kompass Karte 1:30000 

Seit einigen Jahren ist es so, dass alle früheren amtlichen Karten vom Landesvermessungsamt für die Allgemeinheit online zugänglich gemacht wurden (Funktion: Zeitreise)

Online Luftbilder (Bayern Atlas): spielten erst für Abseits Aufwärts Band #2 (2013) bei ein paar Touren ( 2 waren's) eine Rolle. 

Online Tourenbeschreibungen: Spielten für's erste Buch gar keine Rolle , es gab halt auch fast nichts. Zwischen dem 1. und 2. Buch (also vor ca. 10 Jahren) kam das richtig massiv auf. Allerdings hab' ich auch beim 2. Bücherl mir die Sachen ohne Hikr. etc. selbst erarbeitet und nichts irgendwo abgeschrieben. 

Mit der Zeit wurden die Online Beschreibungen immer detaillierter. Auf einmal reichte nicht mehr ein kurzer Satz in einem Forum. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze (als ein Beispiel, gibt auch andere) von Frank Steiner, wo fast jeder Meter mit KML-Datei, Karten & unzähligen Fotos/ Skizzen akribisch dokumentiert wird. [Irrtümlicherweise dachte ich das KML=GPS, das ist aber nicht der Fall, hab ich korrigiert] Für mich ist es heute  ganz klar eine Online Über-Erschließung, die ich persönlich (jetzt wird's umgangssprachlich, mir egal) zum Kotzen finde.

Online Karten (Open Street Map):  OSM war mir zur Zeit des 1. Buches nicht bekannt, ich glaub' das gab's auch noch gar nicht.  Für das 2. Buch diente sie mir als kostenfreie Grundlage für die Skizzen im Buch. Zunächst war ich auch recht dankbar, dass es sowas (lizenzfreies) gibt, mittlerweile überwiegen eher schon die negativen Aspekte. 

Heute werden alle möglichen Wege (Jagd- bzw. Pirschsteige) und Weglos-Routen und sogar Kletterrouten von Hobby Kartierern in Open Street Map als ganz normale Wege eingetragen. Ein OSM Kartierer schrieb mir "Je mehr Leute da unterwegs sind, desto besser" ein anderer: "Ich will überall wo ich gehen kann, einen Weg eingezeichnet haben." Eine Entwicklung, die zu Konflikten der "Erschließer" mit Grundeigentümern, Naturschützern und Jagdpächtern führt. Es gibt einige aktuelle Beispiele bzgl. "Kleinkriegen" zwischen den Parteien. 

Fazit: Es war eine Zeit des Suchens, des Grabens, des Stocherns im Dunkeln, eine Zeit auch der Irrwege (wenn's  mal nicht so geklappt hat) eine Zeit (fast) ohne Technik, ohne GPS (bei mir heute noch so auf Tour). Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber es war eine schöne(re) Zeit! Im Endeffekt traf ich früher auch ab und zu Gleichgesinnte auf diesen Routen, mit denen ich quasi auf Wellenlänge war. Mit heutigen Online-Selbstdarstellern, Erschließern, BergSPORTLERN etc. kann ich dagegen nicht viel anfangen. Was soll ich mit denen auch reden? Wieviel Minuten man gebraucht hat? Das neueste GPS Gerät? Die geilsten Poserfotos? Interessiert mich alles nicht.