Sonntag, 4. November 2012

Erkundungstour durch die Urschlauer Wände auf den Sulzgrabenkopf

Einen größeren weißen Flecken auf der Landkarte in den Chiemgauer Alpen zu finden ist gar nicht mehr soo einfach für mich, am Sulzgrabenkopf war ich aber noch nie - ein typischer niedrigerer Nebengipfel im Schatten einer bekannten Berggruppe (Hörndlwand) der mir bisher gar nicht aufgefallen war. Ich wollte die nördlichen Steige durch die unteren Urschlauer Wände erkunden, Grundlage ist die - wie im nachfolgendem Bericht erläutert - in diesem Gebiet  fehlerhafte AV- Karte "Chiemgauer Alpen Mitte - Hochgern, Hochfelln 1:25000" (Hier ein Link zum Kartenausschnitt zur Orientierung) Gleich vorneweg: Ich hatte mir die Tour einfacher & angenehmer vorgestellt, dachte die Steige wären noch einigermaßen intakt, die Karte ist ja recht neu und erst seit 2008 auf dem Markt, aber erstens kommt es anders und zweitens.... Leider gibt es zu diesem Bericht auch keine Fotos, da ich die falsche Speicherkarte gekauft hatte, aber muss ja auch nicht sein. Ich stell den Bericht auch absichtlich hier rein, damit Leute, die die gleiche Idee haben, wissen auf was sie sich einlassen und falls einer vom Landesvermessungsamt das hier liest, die Karte mal zu überprüfen.

Nach Urschlau bin ich vom Bahnhof Ruhpolding mit dem Rad angereist - die Straße hat nur eine geringe Steigung und ist auch ohne Mountainbike machbar, am Wochenende würde ich jeden aber warnen das Rad in den Zug packen zu wollen - Überfüllung auf der Strecke München-Salzburg ist bei Ausflugswetter zu fortgeschrittener Stunde zwar nicht die Regel, aber alles andere als eine Ausnahme. In Urschlau sperrte ich das Rad dann ab, und schon nach wenigen Metern, nach der Brücke über den Bach stand ich auch schon am Steinbruch - links daneben sollte der Steig laut AV-Karte beginnen - nix da ! Denn - Überraschung - Der Steinbruch hat in den letzten Jahren wohl einiges an Fläche zugelegt und somit wohl auch den Steig "einverleibt". Aufgeben mit meiner Suche wollt' ich zu diesem Zeitpunkt deswegen aber noch nicht !

Im Steinbruch wurde zur frühen Stunde noch nicht gearbeitet - mein Glück - denn der einzig anwesende Arbeiter machte es sich gerade im Führerhäuschen seines Schaufelbaggers mit einem Boulevardblatt gemütlich. Also konnte ich unbemerkt die zum oberen, linken Rand des Steinbruchs gelangen. Hier dann die nächste Enttäuschung - der Waldhang ist mit umgefallenen Bäumen geradezu übersäht.  Wenig später dann zumindest einmal ein kleiner Lichtblick:  ich erspähte die Reste des in der Karte eingezeichneten Steiges der auf ca. 860 Meter ziemlich eben die Hänge quert. Immmerhin etwas. Von dem Steig durch die Unteren Urschlauer Wände jedoch weiterhin keine Spur. Da ich kein GPS oder Ähnliches mein Eigen nenne, ging die Suche weiter. Erst falsch - nachdem ich mich ca. 50 Höhenmeter über Steilhänge nach linksoben/ südöstlich "vorgearbeitet" hatte stand ich am Rand der Wände - Nein, kein Zweifel - hier war kein Durchkommen möglich, also Retour. Unverhofft kommt aber eben doch oft - und nach erneuter Sucherei weiter westlich war ich mir dann ziemlich sicher - ja das muss er sein - ca. 100 Höhenmeter oberhalb des Steinbruchs - zwar ordentlich verwachsen aber immerhin für das geübte Auge klar erkennbar - der Zick-Zack Weg durch die Wände! Und die waren auch bald erreicht. In verblüffender Wegführung nutzt dieser Durchstieg jede Schwachstelle der Wand, rechts sieht man in eine Schlucht, links auch, dieser Wegabschnitt ist wirklich interessant und macht Spaß - Allerdings nicht für Jedermann - Ausgesetzte Querungen an schrofigen Steilwiesen wo der Steig bereits abgerutscht ist verlangen Konzentration, Trittsicherheit und Bergerfahrung. Gegenüber schweift der Blick immer wieder zur Haaralmschneid und die Umgehung, die zunehmend sichtbar wird. Nach der Durchquerung des ersten Wandabbruchs wird der Pfad zunehmend undeutlicher, irgendwann hatten sich die Reste des Steiges dann komplett in Luft aufgelöst, ich vermutete irrtümlich, dass ich noch nicht so hoch war wie in Wirklichkeit (die in der Karte eingezeichneten Querwege bemerkte ich nicht - fallen wahrscheinlich auch unter die Rubrik "Fast nicht vorhanden")  und ging die Hänge ein paar mal erfolglos auf der Suche nach dem laut Karte nur leicht ansteigenden, in östliche Richtung führenden Weg ab. Erneut überall umgefallene Bäume, aber das kannte ich ja bereits zu Genüge - Und der Steig? Fehlanzeige!

Darauf der Entschluss weglos direkt zum Kamm aufzusteigen - was folgte war äußerst unangenehmes Wald-Steilgelände, allerdings ungefährlich. Oben - das wusste ich - erwartet mich dann noch ein weiteres Hindernis - eine langgezogene Felswand, wahrscheinlich sind das die "Oberen Urschlauer Wände", auch wenn sie im Kartenwerk nicht explizit so bezeichnet werden. Und da musste ich irgendwie drüberklettern oder einen Durchschlupf finden. Vor den Felsen angekommen, erblickte mich zunächst ein Rudel Gemsen und floh erstaunlich zögerlich - kommt wohl selten ein Wanderer oder Jäger hierher. Ich stand, da die Wand an dieser Stelle quasi senkrecht & wohl größere Kletterfähigkeiten verlangt hätte jetzt vor der Frage: Rechts oder Links? Ich wählte unschlüssig ersteres und hatte sogar Glück. Nach nur wenigen Metern Querung neigen sich die Wände zurück und vermitteln einen Durchstieg. Ein paar Meter Kraxelei (höchstens I) dann Querung auf einem Wiesenband zum Kamm auf ca. 1400 Metern. Und dort - Sonne pur und die erste Aussicht in südl. Richtung auf Gurnwandkopf & Co. Südseitig ist hier alles abgeholzt, über Baumleichen gelangt man am Kamm entlang (der ausgewiesene Steig auf der Karte existiert auch hier - bei wirklich gutem Willen - nur in Ansätzen) wiederum mühsam zum Sattel nördlich des Sulzgrabenkopfes. Ein paar Meter weiter beginnt dann tatsächlich eine klar erkennbare Pfadspur (laut Karte hört sie genau da aber 
bald auf), die in südliche Richtung bis zum Felsaufbau des Gipfels führt.  Jener erfordert nochmal ein bisschen Kletterei (bis II), die letzten paar Meter durch steiles Latschengelände sind sogar ein wenig freigeschnitten - hätte ich jetzt nie und nimmer gedacht. Und dann endlich geschafft - die Gipfelfläche des Sulzgrabenkopfs ist recht klein, mehr als eine Handvoll Personen haben hier nicht Platz, es gibt sogar ein Gipfelbuch und ein kleines, aus Zweigen notdürftig zusammengebasteltes Kreuz. Wie auf allen mir bekannten, eher unbekannten Bergen des Chiemgaus ist ein gewisser "bäriger Sepp" hier oben Stammgast - getroffen hab ich ihn aber noch nie. Und die Aussicht ist natürlich prächtig - der Nahblick auf Hörndlwand & Co ebenso wie der Fernblick bis zum Bayerischen- bzw. Böhmerwald bei klarer Luft. 

Meine ursprünglich geplante Route für den Abstieg - über einen in der Karte verzeichneten Steig wiederum nördlich in Richtung Sulzen, also ein Stück weiter westlich als der Aufstieg blies ich kurzerhand ab, da der Weganfang beim im Aufsteig erwähnten Sattel schon nicht vorhanden war. Stattdessen schlenderte ich den deutlichen Pfad am Kamm entlang zur Hörndlalm (in der Karte - wen wundert's -nicht verzeichnet) und auf bezeichneten Wanderwegen bequem wieder zum Ausgangspunkt.

Fazit: Verkehrte Welt - Dort wo Steige in der AV-Karte eingezeichnet sind, existieren sie meist (bis auf spärliche Reste) nicht mehr, allerdings da wo sie vorhanden sind, sind sie wiederum nicht verzeichnet.
Ich werde die Tour wahrscheinlich nicht wiederholen, der Durchstieg durch die Wände ist toll - der Rest gleicht eher einer Tortur.  Nichtsdestotrotz war's eine schöne Neuerkundung. 

P.S: Skizze folgt noch!

1 Kommentar:

  1. Hi Christian,

    melde doch solche Dinge einfach an Servicestelle@lvg.bayern.de. Ich hab dort schon zweimal auf nicht mehr vorhandene Wege hingewiesen, und jedesmal kam eine persoenliche Mail zurueck, dass man diesen Hinweis dem jeweiligen Gebietstopographen fuer seine naechste Begehung als "Hausaufgabe" aufgetragen hat. Von alleine koennen die ja nicht staendig alle Gebiete kontrollieren, darum sollte man sie gezielt hinschicken :-)

    cu,
    Frank

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