Donnerstag, 24. Oktober 2013

Wildfalle Kesselboden / Ursprungtal

Vom Tiroler Kesselboden, einem idyllischen Seitental des Ursprungstales, südlich von Bayrischzell gelegen, hört man wenig. Im schon etwas älteren AV-Führer Bayrische Voralpen Ost von Zimmermann heißt es dazu sogar:  "Das wohl einsamste Gebiet des ganzen Führers".  Das trifft aber nur teilweise zu. Sicher, außer ein paar Mountainbikern, die aus der Klooaschau zum Brunnerköpfl hinüberradln (Tiroler Seite offiziell gesperrt für Radler), oder ein paar wenigen Spaziergängern, die vielleicht bis zur Bleieralm wandern, verirrt sich kaum jemand hierher. Offiziell führt ja auch kein Weg aus dem Talgrund hinaus, außer die vorher erwähnte lange Forststraße in die Klooaschau.
Andererseits ist das Tal zumindest im unteren Teil bestens erschlossen. Dieses Gebiet hat schon eine längere Historie als Jagdgebiet. Schon auf einer topographischen Karte von 1914, ist von einem "Gut Kesselboden" die Rede. Wenn die Natur ihren Lauf nehmen würde, müssten die Hirsche im Winter eigentlich tiefere Lagen aufsuchen, z.B. ins Leitzachtal oder Richtung Inntal hinab wandern. So aber  werden die Tiere im Winter fleissig durchgefüttert, direkt neben den Wildfütterungen (eine bei der Bleier Alm, eine bei der Vorderen Kesselbodenalm, ob noch weitere existieren weiss ich nicht) sind auch jeweils Schießstände angebracht.Wie praktisch! Besonders erpicht ist man wohl darauf, das die Hirsche und Rehe nicht ins Bayernland abhauen. Nur wenige Meter wären es über den Grundberg in die Klooaschau, aber dort ist seit einiger Zeit ein massiver, 3 Meter hoher Sperrzaun angebracht. Mit Hilfe einer neugebauten Forststraße kann man die Grenze am Grundberg zudem bequem abfahren, weiter westlich dann erneut ein Schießstand. Auch in die anderen Himmelsrichtungen können die Tiere nicht entwischen - hier begrenzen natürliche Barrieren wie Fels- und Steilgelände das Tal. Eine richtige "Wildfalle" also. Im Winter sollte man dieses Gebiet also besser meiden, auch wenn sich Ski-/Schneeschuh Tourenmöglichkeiten bieten würden. Eine nicht gerade freundliche Reaktion der Jäger/ Grundbesitzer wäre aber wohl sicher. 
Die Steige, die früher aus dem Kesselboden in Richtung Wildenkarjoch /Schönfeldjoch emporführten sind allesamt komplett verwachsen. Warnung! - Der obere Teil (Querung ab Köpfl) des ehemaligen Steigs zum Wildenkarsattel ist abgerutscht und führt durch äußerst heikles, kleinsplittriges Schrofengelände und ist sehr ausgesetzt. Danach wartet zudem Latschengelände. Zu früherer Zeit existierte auch noch die Müllner-Kesselalm auf halben Weg zum Wildenkarjoch, heute ist das Gelände jedoch aufgeforstet. Geübte, wegfindige Bergsteiger, die anspruchsvolles, wegloses Gelände und Latschenkontakt oder besser -kampf nicht scheuen,  können jedoch weiterhin im Talschluss ein paar Routen begehen. Auch der Höhenzug des Grundbergs ist - wenn man sich nicht an dem Zaun stört und stattdessen die buntgefärbten Laubbäume und nahen Felswände betrachtet - durchaus einen Spaziergang wert. Detaillierte Wegbeschreibungen gibt's hier im Blog nicht. Aber ein paar Fotos:

Blick von einem Köpfl nordöstlich des Wildenkarsattels in den Kesselboden und hinüber zum Traithen:
Blick zur Nordflanke des hint. Sonnwendjoches/ Krenspitz:
Blick vom Grundberg/ Forststrasse in Richtung Talschluss/ Wildenkarjoch: