Montag, 4. November 2013

Rezension: Teufelshorn - Holzhammer ermittelt - Ein Alpenkrimi [Fredrika Gers]

Dieses Buch hab ich im Tausch gegen mein Büchlein erhalten. Ich sollte vielleicht vorausschicken dass ich eigentlich kein großartiger Krimifan bin und es ansonsten wohl nie in die Hände bekommen hätte. Das Coverbild ist zudem auch ned so meins und hätte mich wohl eher abgeschreckt. Fällt aber fast schon unter die Kategorie "trashig" (im positiven Sinn), aber eben nur fast. Fredrika oder kurz "Ika" Gers, die auch hinter der Seite bgl-portal.de steckt,  ist passionierte Bergsteigerin  mit Faible  für unbekanntere Routen und dass wird auch in ihrem Teufelshorn-Krimi verwurschtelt, aber dazu später mehr...
Das Buch ist tatsächlich zunächst einmal ein klassischer Krimi mit Alpenkulisse: Bergunfall - Ein Toter - Polizei ermittelt. Der Fall, natürlich war es kein Unfall,  ist am Ende, wie nicht anders zu erwarten, gelöst.  Gegliedert ist der Krimi in ein paar Erzählstränge die sich jeweils um die Hauptprotagonisten drehen und bis zum Ende der Geschichte fortgeführt werden. Als da wären: Zunächst der Held des Buches, der "Bulle von Berchtesgaden" - Nein, nicht ganz, aber es geht schon in die Richtung - Hauptwachtmeister Franz Holzhammer. Ein behäbiger, bayrisch-gemütlicher Genussmensch, der's aber dann doch faustdick hinter den Ohren hat. Daneben seine Frau, ein resolutes "Ratschkatl" mit Sinn für Ehrenamt. Beide Charaktäre machen einfach Spass. Neben den Holzhammers spielt ein weiteres Paar eine tragende Rolle: Christine & Mathias. Und da kommt die Autorin selbst ins Spiel: Die Person Christine ist nämlich - wie unschwer zu erkennen ist - in weiten Teilen autobiographisch. Eine "Zuagroaste" aus Hamburg, die ins BGL zieht und zur ambitionierten Bergsportlerin wird, wie eben Frederika Gers auch. Das ist ihre ganz persönliche Geschichte im Krimi, die aber, das wäre jetzt mein Kritikpunkt, auf den Rest der Geschichte etwas zu detailverliebt und teilweise zwanghaft aufgesetzt bzw. "hingebastelt" [bayr.] erscheint. Mathias, der Lebensgefährte von Christine, ist dann ein etwas sonderbar zusammengesetzter Charakter: Banker, Buddhist und Biker. Ist das dieses neue, brave, schwarz-grüne Bürgertum? Wie auch immer, zusammen helfen sie jedenfalls dem mit Mathias verwandten Hauptwachmeister zur Lösung des Falles. Die anderen verwickelten Personen sind im Prinzip die Lokalprominenz der Gegend: Bürgermeister, Seilbahnbetreiber und Sportfunktionäre, auch die Bergwacht ist vertreten. Es geht im Großen und Ganzen - nicht weiter verwunderlich - um Interessen und Intrigen. Und irgendwie kennt natürlich Jeder - zumindest über Umwege - Jeden. Es soll hier aber nicht die ganze Story verraten werden, bis auf ein paar Hänger in der ersten Hälfte des Buches liest sich die Geschichte dann doch erstaunlich flüssig. Das Buch hat seine Stärken aber für mich besonders dann, wenn es um die Banalitäten des Alltags geht, z.B. wenn Holzhammers neues "Haustier", der Mähroboter, beschrieben wird. Ganz nebenbei erfährt man z.B. an der Figur Stranek, was die Autorin an Männern alles nicht so mag und durch das ganze Buch hindurch so allerhand über das Berchtesgadener Land - mehr vielleicht und vor allem andere Sachen als im Reiseführer.  Leider kenn' ich halt die meisten Anekdoten & G'schichteln schon, vom tückisch-mörderischen Jennersumpf bis zu den bedrohten Borkenkäfern ist wirklich alles vertreten. Aber manches war selbst mir neu. Es wird die ein oder andere Spitze gesetzt aber im Allgemeinen geht man nicht zu hart mit der neuen Heimat ins Gericht. Fazit: Wer gern auf Berge steigt und auf nicht allzu schwere bzw. böse Krimi-Kost steht, macht hier eigentlich nichts verkehrt. Erschienen im Rowohlt Taschenbuchverlag und kostet ca. 9€.


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