Mittwoch, 22. Oktober 2014

Warum manche Berge "außen vor" bleiben: Beispiel Kleinkaiserl

Meine letzte Bergtour führte mich ins Herz des Wilden Kaisers, auf das Kleinkaiserl (Bildmitte), welches nur selten besucht wird. Es ist kein unbeschriebenes Blatt, kein super Geheimtipp, Beschreibungen der Anstiegswege finden sich im gedruckten  AV-Führer Kaisergebirge* ebenso wie im Internet. Und der Normalweg ist jetzt auch nicht soo schwer, allerdings muss man ihn auch wieder herunter. Warum also wird das Kleinkaiserl wohl weiter sein Schattendasein fristen?
  • Der Name: Mit der Antwort "Ich war auf'm Kleinkaiserl"auf die Frage: "Ja wo warst jetzt du  letztes Wochenende unterwegs?" kann man sicher keinen beeindrucken. Besser so!
  • Die Lage: Eingebettet zwischen Sonneck und Treffauer, die beide das Kleinkaiserl um einiges überragen macht auch der Name Sinn. Nichtsdestotrotz ist die Aussicht phantastisch, auch Nahblicke haben ihre Reize v.A. im Kaiser!
  • Der Gipfel an sich: Welcher ist es denn jetzt eigentlich ? Es gibt nämlich zwei ungefähr gleich hohe Erhebungen nebeneinander, dass ist schon mal ein wenig verwirrend, und es fehlt so der Spitz oder die Pyramide, der Blickfang, ich entschied mich für die nördlichere der Beiden, die meisten wohl für die weiter südlich, in jedem Fall erwartet einem kein Gipfelkreuz & kein Gipfelbuch  (gut, mag sein dass auf dem weiter südlich ein's vergraben ist) und viel Platz ist auch nicht gerade.
  • "nur lohnend in Kombination mit Sonneck bzw. Treffauer" schreibt der AV-Führer und mag sein dass es für den ambitionierten Bergsportler tatsächlich so ist. Dem "Berggenießer" wird sicher auch das Kleinkaiserl alleine reichen.
  • Ohne Bezeichnung: Es gibt keine Markierungen, keine Beschilderung, bestenfalls Steigspuren, und das wird hoffentlich auch so bleiben.
  • Der Anstieg: Bis zum Schneekar ist der Anstieg identisch mit dem Treffauer, dann heisst es ein Geröllkar, das Schneekar, anstrengend hinauf (zwei Schritt vor - einer zurück) Bei richtiger Routenwahl (Ich hab mich in der Mitte gehalten) findet man aber über weite Strecken auch feste Steine, anstrengend bleibt es trotzdem...  Der Normalweg an sich ist dann zuerst nette Kraxelei im unteren 2. Schwierigkeitsgrat oder schwerer, je nach Belieben, dann kommt wieder ein anstrengendes Geröllfeld. Die breite Schlucht wo es schließlich nach rechts hinauf geht schaut übelst steil & brüchig aus, entpuppt sich aber als gutmütiger und nicht allzu brüchiger Zweier, wenn überhaupt. Was dann noch folgt ist eine steile, grasige Rinne, der Untergrund ist hier nicht sehr zuverlässig, auf Steinschlag achten! Die Ausgesetztheit hält sich auf dem Normalweg in Grenzen, abstürzen sollte man trotzdem nicht & eingebohrte Sicherungsmöglichkeiten gibt es keine. Genauso wie die Karlspitzen aus dem Hohen Winkel fällt auch diese Tour unter die Kategorie: "Für Wanderer oft zu anspruchsvoll, für Kletterer oft zu langweilig"
 
Ja und dann hat man's schließlich geschafft, sieht gegenüber den Ellmauer Halt, und auf der anderen Seite den Hintersteiner See emporblitzen und und und - Es ist einfach ein schönes Fleckerl! Im Abstieg muss man wieder die Kraxelstellen bewältigen, das Schneekar fährt man am besten auf der südlichen Seite ab.
P.S: Da meine Kamera nach ca. 8 Jahren den Geist aufgegeben hat gibt's hier nur ein Handyfoto.

*leider wurden die interessant klingenden Anstiege aus den Scharlinger Böden und auch der von der Treffauer Lucke aus dem neuen AV-Führer "Kaisergebirge Alpin" getilgt.

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