Donnerstag, 30. Juni 2016

GPS Track statt Tourenbeschreibung und die Folgen, eine Fehleranalyse...

 ...am Beispiel der Tour Fagstein/ Rotspielscheibe (BGL) bei Alpenvereinaktiv.com, dem offiziellen Onlineportal des AV. Zu finden HIER. Geködert wird man durch die, inzwischen wohl zum Klickgaranten avancierten Schlagwörter "aussichtsreich", "Geheimtipp" und "einsam" bzw. hier "noch einsamer". Die Tourenbeschreibung erschöpft sich dann in:

"Vom Parkplatz Hinterbrand führt die Bergtour über das Jennergebiet bis zur Priesbergalm. Von hier steil unter die Wände des Fagsteins, die rechts umgangen werden. Vom Gipfel des Fagstein durch das feslige Schroffengelönde fast weglos bergab und auf einsamen Pfaden auf die markante Rotspielscheibe! Dann Abstieg zur Königstalalm und zurück zum Ausgangspunkt."
 Mehr finde ich nicht. (Falls ich zu deppad bin den Rest der Tourenbeschreibung zu finden geht das auf meine Kappe.) Die Tour wird als "anspruchsvolle Bergtour" bezeichnet, ist aber unter "Mittel" eingeordnet. Zum Vergleich: Die "Kleine Reibe" gleich nebenan läuft unter "Schwer" (Hä?) Aber gut, vllt. richtet sich das ausschliesslich nach der Tourlänge, vllt. ist die Reibe ein bissl länger, mag sein. Wie dem auch sei', was aber stattdessen mitgeliefert wird ist eine GPS Datei. "Tolle Sache" dachte sich wohl ein Bergsteiger und machte sich auf den Weg  und berichtet in der Kommentarfunktion von seiner Tour:

"Der zweite Abschnitt ist lediglich ein Trampelpfad und beginnt nach den letzten Hütten. Von hier aus ist die Orientierung etwas schwerer, da wie gesagt nur ein kaum sichtbarer Pfad vorhanden ist, der zudem nicht beschildert und auch nicht markiert ist."
Klingt fast nach Vorwurf, aber es geht noch weiter...
  
"Also unbedingt das Handy dabei haben und kontrollieren, ob man noch richtig geht."
Die Zeiten in denen man sich vorher mit Karte den Weg zurechtgelegt hat und sich im freien Gelände an ihr orientiert scheinen wohl zumindest bei diesem Bergsteiger vorbei zu sein. Hauptsache die Akkus halten!
  
"Beim Beginn der Felsen habe ich jedoch den Pfad aus den Augen verloren und es war überhaupt nicht mehr erkennbar, wo es weiter geht (Ca. 1.925m)."

Warum hat er, wo ihn doch das Smartphone (oder wahlweise auch das GPS Gerät) zunächst so zielsicher geführt hat, auf einmal den Weg verloren? Fakt ist, dass der mitgelieferte GPS Track bei den Felsen fehlerhaft ist, er führt anstatt die Wände trickreich auf einem Grasband zu "überlisten" einfach  direkt abkürzend durch die Felswand. Das ist nicht unüblich bei GPS Aufzeichnungein in felsigem Gelände. Wer will, kann sich den Track beim obrigen Link anschauen oder herunterladen und ergänzend sich die Strecke südl. des Fagsteins im genaueren Bayern Atlas Luftbild anschauen.



Der Verirrungspunkt (1925 m) liegt exakt auf der Höhe, wo der GPS Track und die richtige Route sich verzweigen, er ist also vermutlich der GPS-Spur nach, hat festgestellt dass es da keinen Weg gibt und hat dann schlussendlich zumindest das absolut Richtige gemacht, er ist nämlich umgedreht.
 "Da es zunehmend nebliger wurde, mußte ich hier abbrechen und umkehren. Da diese Tour und auch der Gipfel nirgends angeschrieben steht und nicht markiert ist, ist man hier vollkommen alleine."
Wenn er versucht hätte, noch weiter in die Felswand aufzusteigen wäre er vielleicht ein "Komm weder vor noch zurück, holt mich hier raus" Fall für die Bergwacht geworden. Oder schlimmeres. 
 So aber ging die Geschichte noch recht glimpflich aus. Generell vermeide ich es bei Nebel im Karstgelände "herumzustochern", das heb' ich mir für schönere Tage auf. Der Fagstein ist jetzt nicht soo der unbekannte Berg, warum die Tour jetzt unbedingt online sein muss, vor Allem in dieser Form und angepriesen vom touristischen Bgl-Blog, erschließt sich mir nicht wirklich. Wer solche Routen in der Gegend gehen will, kauft sich am besten den AV-Führer und eins sollte sowieso klar sein, einsamer wird eine Tour durch Internetanpreisungen bestimmt nicht.

Kommentare:

  1. Bei den Touren auf alpenvereinaktiv.com scheint es um Masse und nicht um Qualität zu gehen. Das von dir beschriebene Beispiel enthält immerhin noch ein paar, wenn auch dürftige Angaben. Manche schreiben überhaupt keinen Text. Ich selbst feile oft mehrere Stunden an den Routenbeschreibungen auf meiner Seite und arbeite auch Leserrückmeldungen mit ein. Wenn man sich dann aber die Treffer bei Google ansieht, landen die schlampig geschriebenen Berichte auf den großen Mitmachseiten oft ganz oben. Eigentlich sollte ein GPX-Track nur als zusätzliche Orientierungshilfe dienen. Je nach Gelände können schon ein paar Meter Abweichung einen großen Unterschied machen. Insgesamt überwiegen bei mir allerdings die positiven Erfahrungen mit GPX und es bewahrte mich schon oft vor Verhauern.

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  2. Hi,
    toller Beitrag, eine Freundin erzählte, dass sie einen FMEA Moderator in Karlsruhe haben, der mit ihnen zusammen Fehler in der Produktion analysiert.

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