Donnerstag, 5. April 2018

Der digitale Fuss- bzw. Skiabdruck der Bergsportler

***Kurze Werbeeinblendung***Das Buch ist nach wie vor erhältlich, es sind noch ca. 60 Stk da*** 10€ + 2€ Versand***

Es ist schon irgendwie erstaunlich, wieviel der "Homo Digitalus" von sich preisgibt. Vor ein paar Monaten bin ich auf die "Global Heat Map" von Strava gestoßen. Damals war sie noch uneingeschränkt für jeden sichtbar, mittlerweile muss man sich (für die hohen Zoomstufen, und nur die sind interessant) leider anmelden. Und so schaut sie dann aus - Hier ein kleines Beispielbild vom Spitzingseegebiet bzw. der Taubensteinregion (nur Wintersportaktivitäten ausgewählt). Ein paar Ortsbezeichnungen habe ich zur besseren Orientierung ergänzt.
Zur Funktionsweise: Strava ist wohl eine der zahlreichen, auf GPS Basis funktionierenden  Sportler Apps die dir wahrscheinlich Zeit, Route, Höhenmeter, Kalorienverbrauch undwasweißichnochalles ausspuckt. Auf der Global Heat Map sieht man dann alle zusammengefassten Aktivitäten der Benutzer (User) in den letzten zwei Jahren. Datenschutzrechtlich ist hier wohl alles in Ordnung, die Nutzer
willigen vorher in die Einspeisung ihrer Daten in diese Karte ein. Für mich als "Berggenießer" sind solche Apps natürlich komplett uninteressant. Die meisten Skitourengeher und Bergwanderer sind auch nach wie vor ohne diese App(s) unterwegs, d.h. diese Karte hat nur sehr begrenzte Aussagekraft und bildet nur einen Bruchteil der tatsächlich stattfindenden "Menschenwärme" eines Gebiets ab. 

Trotzdem erstaunlich, was diese Karte so alles abbildet und auch preisgibt. Zunächst einmal schauen  die abgebildeten   "Hitzeströme" einfach faszinierend aus. Im Beispielbild oben sieht man ganz gut die Streuung der Abfahrtsvarianten im Rauhkopfhang. Aber natürlich kann man auch andere, begrenzte Rückschlüsse ziehen wie z.B. : Halten sich denn die Strava-nutzenden Wintersportler an die Wald-/Wildschongebiete* ? Antwort für das Beispielbild der Taubensteinregion: Großteils ja, im Lempersberghang und bei der Benzingspitz sind aber einige Spuren drin.

Ein weiteres Beispiel, diesemal verglichen mit Praxiserfahrungen meinerseits: Das Traithengebiet mit der durch ein Wald-/Wildschongebiet verlaufenden Abfahrt "Jägerwand Nordost" (Nicht der Stopselzieher, sondern dort, wo der weisse Pfeil hinzeigt).

Ich war vor ca. einem Monat auf Skitour dort. Die klassische Runde von der Rosengasse über Steilner Joch - Traithen und den  Stopselzieher zurück. Es hatte vor 2 Tagen Neuschnee gegeben, man sah also nur die Spuren bis von vor 2 Tagen, wobei der Wind sicher auch wieder einiges verweht hat. Es waren, als wir gegen 11 Uhr aufstiegen,  schon einige Spuren und ein Skifahrer in der "Jägerwand Nordost" zu sehen. In der Global Heat Map sieht man auch Spuren, wenn auch recht wenige.  Allein in diesen zwei Tagen waren also wohl in etwa soviel Skifahrer real unterwegs wie gesamt (Zeitraum 2 Jahre) in der Global Heat Map angezeigt werden.

(Zwei norddeutschen GPS Skitourengehern mussten wir übrigens trotz ihres Navis den Weg zum Stopselzieher zeigen.)

So - der Winter is ja hoffentlich vorbei - Wie schaut's denn im Sommerhalbjahr aus?

Nehmen wir gleich mal als Beispiel das Zundereck, welches HIER und auch in meinem Blog thematisiert wurde.
Der weisse Pfeil zeigt den (aus Jägersicht) besonders kritischen Verbindungssteig zwischen Zundereck und Teufelskapelle. Er wird offenbar, wie ich es erwartet habe, trotz Löschung des Weges vor etwa 2 Jahren im Bayernatlas, von Strava-Nutzern weiterhin begangen. Der Weg ist ja auch weiterhin im Netz gut vertreten.   Wir vermieden ihn letzten Herbst aus Rücksicht und benutzten stattdessen einen Direktabstieg nach Osten ins Archtal (kleiner, sehr steiler Pfad, aber nicht ausgesetzt, T3, im Latschenbereich freigeschnitten). Auf diesem seh' ich jetzt keine Spuren in der Karte.  Auch hier bei diesem Sommerbeispiel gilt natürlich : Es ist nur ein Bruchteil des tatsächlichen Menschenaufkommens abgebildet auf der Global Heat Map. Trotzdem lässt sich abschließend sagen, und ich hatte das ja auch im Vorwort zum Buch erwähnt, dass so manche Pfade gar nicht so vergessen sind, wie sie oftmals angepriesen werden.

P.S: Auch auf dieser Tour gab es noch eine lustige Begebenheit:  Zirka eine Viertelstunde nach Abzweig des Weges zum Zundereck vom Archtalsteig holte uns ein Bergläufer ein und fragte, mit Blick aufs Navi, ob wir uns hier auskennen und wo denn dieser Weg hinführt. Die Antwort "Zum Zundereck" gefiel ihm nicht denn er "will auf die Kisten". Er ist dann umgedreht. Wir verbrachten zugegeben sehr lange Zeit auf einem namenlosen Gipfel oberhalb des Zunderkopfes, da kommt doch tatsächlich von oben (!) , also vom Archtalkopf herunter, genau dieser Typ wieder dahergelaufen. Er ist also in der Zeit zurück runter zum Abzweig, übers Archtal auf die Kisten, rüber zum Archtalkopf und am Grat wieder runter zum Zunderkopf. Heftig! Offen bleibt die Frage, wie er, denn er kannte sich ja laut eigener Aussage nicht aus, den unbezeichneten Steig vom Archtalkopf am Grat  entlang gefunden hat. Ich vermute stark Onlinekarte/ App irgendsowas. 

*Anmerkung: Die Einhaltung der Schongebiete erfolgt freiwillig, es gibt kein rechtlich bindendes Befahrungsverbot

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