Dienstag, 7. Juli 2020

Der weiße Fleck im Netz soll weiß bleiben - Ein Tourenbericht ohne Ortsangaben

Mein Ziel war eigentlich zunächst Berg X, den ich auf der Karte entdeckt hab' aber es kam anders.  Tatsächlich ist kein Tourenbericht via Google im Internet auffindbar, mittlerweile eine Seltenheit in Gegenden die im Einzugsbereich von München liegen. Wobei dies eher der weitere Einzugsbereich ist. Tatsächlich sind die Österreicher nicht sooo von der Idee besessen, alles ins Internet zu stellen und genauestens erschließen zu wollen, die meisten Einheimischen kennen ihre Steige und wollen ihre Ruhe dort, so kommt's mir vor. Und bei den Deutschen sind es zum guten Teil Münchner oder von noch weiter weg kommende, die sich dieser "Mission des Teilens" widmen.

Zurück zur Tour: Der Aufbruch war eigentlich zu spät: Am Ausgangspunkt im Tal war's schon ziemlich heiß, und der erste Teil der Tour war dann auch recht schwitzig. Eine kleine Quelle zapfte ich nicht an, weil darüber evtl. Kühe weiden, wahrscheinlich hätt' sich aber nix g'fehlt. Nach ca. 1,5 Stunden war's dann soweit, das erste Etappenziel war erreicht und die Aussicht war schon recht weiträumig. Pause. Der folgende, in der AV-Karte korrekt eingezeichnete Pfad war auch schnell gefunden. Vor mir war bereits Berg X zu erkennen, mal schaun ob ich da hochkomm'. Der Gipfelanstieg verlief zunächst auch planmäßig: Eine teils ausgeschnittene Latschengasse mit vielen Hufspuren war schnell ausgemacht. Dann aber war diese zuende, es ging aber noch durch Rasenstücke und kleine, schrofige Felsabschnitte mit Kraxeleinlagen (UIAA I) weiter gut nach oben, ich merkte mir immer charakteristische Felsen, damit ich aus dem gleichförmigen Rasen-/ Fels-/ Latschen Wirrwarr wieder herausfinden konnte. Und dann gings nicht mehr weiter. Latschen und auch ein paar Felsen stellten sich mir in den Weg. Und nach oben sah ich nur: Latschen. Also retour und einen anderen Durchschlupf versuchen: Wieder rauf und... wieder das selbe. Nochmal ein Versuch, vielleicht bissl nach rechts queren? Hmmm... Nochmal Latschen! Aber ok, da könnte ich noch raufkraxeln wobei.... dann hab ich mir gedacht: Gut, alle guten Dinge sind drei, den Gipfel lässt du stehen, hat nicht sollen sein, schaust einfach weiter. Das war für mich auch noch nie ein Drama jetzt irgendein Gipfelziel nicht erreicht zu haben.  Also wieder ein paar 100 Höhenmeter nach unten bis zum Pfad, zum Glück hatte ich mir die entscheidenden Stellen (Felsen) eingeprägt, somit kein Problem!
Nachher, bei der Nachbetrachtung daheim am Laptop, auf dem Online Luftbild via AMAP, fiel mir auf, dass der undurchdringlich erscheinende Latschengürtel gar nicht so breit ist wie ich von unten einsehen konnte. Heisst:  Rückblickend war ich quasi  auf dem richtigen Weg, ich hätte mich halt mehr "durchbeissen" müssen. Eine GPS Aufzeichnung, ein Tourenbericht mit Fotos im Internet hätte hier sicher geholfen den praktikabelsten Durchschlupf zu finden, aber: Der Gipfel hätte auch sein natürliches "Schutzschild" verloren. Also: Nein danke!

Danach verfolgte ich den Pfad weiter, und der Anstieg war deutlich einfacher als ich dachte. 
Und dann kam eben der Platz, eine ebene, gras- und latschenbewachsene Fläche,  rundherum faszinierende Felsen, der sich in mein Gedächnis eingeprägt hat. Und ich ganz alleine. Und was für ein Nah- und Fernblick.  Das sind die Dinge, die mir im Kopf hängen bleiben, an denen ich zehren kann.

Ja, und schließlich hab ich dann noch einen zweiten Gipfel (Y) gefunden, der namentlich gar nicht in der AV-Karte erwähnt ist. Lediglich in der amtl. österr. Karte ist das Y (Foto unterhalb) verzeichnet, wie mir daheim erst auffiel. Auch dieser steht bisher nicht im Internet. Die felsige Gipfelfläche ist sehr klein, darauf ein Steinmann von vorherigen Besuchern. Rundherum, ein paar Meter unterhalb  gibt es aber jede Menge feiner Rastplätze. Während ich Pause machte , hörte ich ein  Geräusch in der Luft, und gleich darauf stoben am gegenüberliegenden Felshang dutzende Gamsen auseinander, in einem Tempo, bei dem ein T. Palzer nicht mithalten kann und mit einer unglaublichen Trittsicherheit im Felsgelände. Die zahlreichen Tiere waren mir vorher gar nicht aufgefallen. Es war aber kein Adler in der Luft sondern ein Paraglider.

Der Weiterweg war dann durchaus fordernd,  ich hatte mir die Passage schon vom Y aus angeschaut und hatte einen felsigen Durchschlupf zwischen mehreren, steilen Restschneefeldern ausgemacht. Das ging auch ganz gut, bis auf zwei, ca. 6 Meter breite, steile, nach unten hin ausgesetzte Geröllfelder die es zu queren galt. Da war mir wirklich kurz nicht so wohl dabei. Wenn die Schneefelder abgetaut sind, bieten sich wahrscheinlich einfachere Möglichkeiten.
Der Abstieg verlief auf normalem, markiertem Steig und zog sich ganz schön in die Länge, obwohl ich meist im Laufschritt unterwegs war. Am Ende der Tour werden schätzungsweise bestimmt so ca. 1500 Höhenmeter im Aufstieg zusammen gekommen sein. Es war schon ganz schön anstrengend (bin nix mehr g'wohnt! ) . Und am nächsten Tag war ich auch noch irgendwie "dahaut". Muskelkater hatte ich komischerweise aber überhaupt keinen. 

Ich mach' mir aber keine großen Illusionen - Auch diese Tour, diese Gipfel sind angezählt. Ich hoffe, nur, dass es nicht so bald geschieht. Das letzte Foto ist ein "Wurmfortsatz" von Gipfel X.